Arbeitsplatz Lusia

Lernen mit Sinn und Geschichte

verfasst am 20.04.2026
Arbeitsplatz LBS

Tag der offenen Tür in der Landesschule für Blinde und Sehbehinderte Chemnitz

Es war mir eine große Freude, heute gemeinsam mit Ihnen den Tag der offenen Tür an der Landesschule für Blinde und Sehbehinderte in Chemnitz zu erleben – und zugleich die Eröffnung eines ganz besonderen Projekts der Geschichts-AG zu feiern: die Einweihung des Schulmuseums.

Das „Schulmuseum im Schrank“ steht dafür auf beeindruckende Weise. Es ist ein kleines Projekt – und zugleich von großer Bedeutung. Denn hier haben Schülerinnen und Schüler selbst gestaltet, recherchiert und präsentiert. Sie geben Einblicke in Geschichte, Hilfsmittel und ihren Schulalltag. Aus einem Schrank wird ein Museum, aus einem Raum ein lebendiger Lernort.

Genau darin liegt die besondere Kraft dieses Projekts: Es fördert Selbstständigkeit, Kreativität und Verantwortungsbewusstsein. Es ermöglicht Lernen mit Sinn und trägt zur Identitätsbildung bei. Vor allem aber zeigt es: Hier steht der Mensch im Mittelpunkt, nicht die Behinderung. Die Schülerinnen und Schüler erleben Wertschätzung und können stolz auf das sein, was sie geschaffen haben. Dieses Projekt wirkt weit über die Schule hinaus und kann Vorbild dafür sein, wie Inklusion gelingen kann.

Ein Blick in die Geschichte macht deutlich, wie bedeutsam diese Entwicklung ist. Früher waren viele Kinder mit Sehbeeinträchtigungen vom Bildungsweg ausgeschlossen oder stark eingeschränkt. Heute haben wir – auch dank gesellschaftlichen Wandels und klarer rechtlicher Grundlagen – einen anderen Anspruch: Bildung ist ein Grundrecht, kein Privileg.

Die UN-Behindertenrechtskonvention unterstreicht dieses Recht auf Bildung ohne Diskriminierung. Auch in Sachsen gilt: Jedes Kind mit sonderpädagogischem Förderbedarf hat Anspruch auf Förderung und auf einen gleichberechtigten Zugang zu Bildung. Es darf niemals von der Art oder Schwere einer Behinderung abhängen, welche Chancen ein Mensch erhält.

Gleichzeitig stehen wir vor wichtigen Aufgaben. Themen wie Inklusion, individuelle Förderung, Leistungsfähigkeit, Qualität und Fachkräftesicherung prägen die aktuelle Bildungsdiskussion. Gute Bildung braucht gute Lehrpläne, verlässliche Förderung, qualifiziertes Personal und starke Schulen vor Ort. Sie ist eine zentrale Zukunftsaufgabe für unseren Freistaat.

Die Landesschule für Blinde und Sehbehinderte Chemnitz nimmt hierbei eine besondere Rolle ein. Sie ist nicht nur Schule, sondern auch überregionales Förderzentrum sowie Kompetenz- und Medienzentrum für den Förderschwerpunkt Sehen. Sie unterstützt Schulen im gesamten Freistaat, berät Fachkräfte und entwickelt Materialien sowie Methoden weiter. Diese Vernetzung ist ein entscheidender Baustein für gelingende Inklusion.

Was hier täglich geleistet wird, verdient höchste Anerkennung. Gute Bildung bedeutet nicht Gleichmacherei, sondern passgenaue Förderung. Dazu gehören Brailleschrift, vergrößerte Medien, Sprachausgaben, Orientierung und Mobilität ebenso wie moderne technische Hilfsmittel und eine engagierte pädagogische Begleitung. Grundlage all dessen ist eine klare Haltung: der Glaube an die Fähigkeiten und Potenziale junger Menschen.

Mein besonderer Dank gilt allen, die diese Arbeit möglich machen: den Lehrkräften, Erzieherinnen und Erziehern, Therapeutinnen und Therapeuten sowie den Mitarbeitenden in Verwaltung und Technik. Ebenso danke ich den Eltern und Familien für ihr Vertrauen und ihr Engagement. Und vor allem danke ich den Schülerinnen und Schülern – für ihren Einsatz, ihre Offenheit und ihren Mut, neue Wege zu gehen.

Gemeinsam machen Sie diese Schule zu einem besonderen Ort – und das wissen auch die Lernenden zu schätzen. Ganz besonders beeindruckt hat mich, dass ich von Schülerinnen und Schülern selbst durch die verschiedenen Gebäude und Schulräume geführt wurde. Mit großer Offenheit, Fachkenntnis und spürbarem Stolz haben sie ihren Schulalltag, ihre Lernumgebung und die eingesetzten Hilfsmittel erklärt.

So hat mir Sophie ihren individuellen Arbeitsplatz gezeigt, Luisa hat mir in Brailleschrift vorgelesen, und die beiden Neuntklässler Seline und Julian führten mich durch die Oberschule und präsentierten die naturwissenschaftlichen Fachräume.

Diese persönlichen Einblicke waren nicht nur informativ, sondern auch berührend. Sie haben eindrucksvoll gezeigt, wie viel Kompetenz, Selbstbewusstsein und Engagement in dieser Schule gelebt wird.

Für die Zukunft wünsche ich der Landesschule weiterhin viel Erfolg, Kraft und Unterstützung. Möge sie ihre wichtige Arbeit fortsetzen können – mit Rückenwind, mit Anerkennung und mit der Gewissheit, dass Inklusion eine Aufgabe ist, die uns alle angeht.

Vielen Dank für die Einladung – ich komme gern wieder.