Laboreinblick ENAS

Auf den Spuren der Computer von morgen

verfasst am 08.09.2026

Mein Besuch am Fraunhofer ENAS und am ZfM

Quantencomputer klingen oft nach Science-Fiction. Bei uns in Chemnitz wird diese Zukunft bereits greifbar. Bei meinem Besuch am Fraunhofer-Institut für Elektronische Nanosysteme (ENAS) und am Zentrum für Mikro- und Nanotechnologien (ZfM) der TU Chemnitz habe ich gesehen, wie Forschung heute die Technologien von morgen entwickelt. Prof. Dr. Harald Kuhn, Direktor des ZfM und Leiter des Fraunhofer ENAS, hat mir sogar in einfachen Skizzen das Grundprinzip einer Ionenfalle erklärt – die Basis für bestimmte Quantencomputer.

Ionen in Quantencomputern mögen es einsam und eiskalt. Um ungestört Quantenoperationen durchführen zu können, müssen sie maximal von ihrer Umgebung isoliert werden. Dazu werden die Ionen in einer sogenannten Ionenfalle durch elektrische Felder gefesselt und die gesamte Falle im Hochvakuum auf weniger als 10 Kelvin (knapp über dem absoluten Nullpunkt bei -263 °C) heruntergekühlt. Diese Ionenfallen-Technologie ist einer der vielversprechendsten Ansätze für Quantencomputing, weil sie vergleichsweise geringe Fehlerraten aufweist und sich gut skalieren lässt. In Chemnitz wird genau an dieser Miniaturisierung und Zuverlässigkeit geforscht – mit dem neuen CRYME-Labor können Materialien und Systeme jetzt sogar bei extremen kryogenen Temperaturen bis -269 °C getestet werden. Für manche ist das Alltag, für mich war dieser Exkurs wirklich sehr spannend.

Ein zentrales Thema meines Besuchs war die angekündigte Großinvestition des Freistaats Sachsen: 68 Millionen Euro für einen neuen Reinraum am ZfM. Dieser rund 900 Quadratmeter große Reinraum-Komplex soll ab Juni 2027 entstehen und spätestens 2030 in Betrieb gehen. Diese Investition ist mehr als nur ein Gebäude – sie ist ein strategischer Impuls für die gesamte Region Südwestsachsen. Der Reinraum schafft die Voraussetzung für Forschung und Technologieentwicklung auf Spitzenniveau.

Wir sind uns darin einig, dass ein Brückenschlag zur hiesigen mittelständischen Wirtschaft besonders wichtig ist. Das ZfM ist bereits jetzt einer der technologischen Grundpfeiler von Silicon Saxony und arbeitet mit über 120 deutschen und 49 europäischen Partnern zusammen. Mit der neuen Infrastruktur können über 300 hochqualifizierte Arbeitsplätze in Sachsen gesichert und ausgebaut werden. Prof. Kuhn betonte zu Recht: „Wir schlagen eine noch stärkere Brücke zwischen exzellenter Forschung und industrieller Anwendung. Als wichtiger Akteur in der Region tragen wir damit maßgeblich zur Wertschöpfung bei – wovon regionale Partnerinnen und Partner nachhaltig profitieren."

Diese Investition in die Forschungslandschaft ist ein starkes Signal. Der Freistaat Sachsen nutzt dafür nicht abgeflossene EU-Fördermittel – eine kluge Entscheidung, die zeigt, dass verfügbare Mittel gezielt für den Strukturwandel in unserer Region eingesetzt werden. Für mich als Abgeordneter ist klar: Solche Investitionen in Spitzenforschung sind keine Ausgabe, sondern eine Investition in die Zukunftsfähigkeit Sachsens. Sie sichern nicht nur Arbeitsplätze, sondern machen unsere Region auch für internationale Unternehmen und hochkarätige Wissenschaftler attraktiv. Chemnitz zeigt eindrucksvoll, dass wir der Zeit voraus sind – während anderswo noch über Quantentechnologie gesprochen wird, wird hier bereits daran gearbeitet.