Eine Friedensfahrt für Europa – gestern wie heute
Als Schirmherr des European Peace Ride durfte ich vergangenes Wochenende erneut hautnah erleben, was diese besondere Veranstaltung ausmacht: sportliche Herausforderung, gelebte europäische Freundschaft und eine klare Botschaft für Frieden und Zusammenhalt.
Besonders beeindruckend war für mich der Moment an der Steilen Wand in Meerane. Hier wurde unmittelbar spürbar, welche Leistung hinter dieser Fahrt steckt. Rund 200 Radsportlerinnen und Radsportler stellten sich dem legendären Anstieg auf Kopfsteinpflaster – mit durchschnittlich zwölf Prozent Steigung auf rund 250 Metern. Auch Radsportlegende Jan Ullrich war wieder mit dabei. Gemeinsam mit zahlreichen Zuschauerinnen und Zuschauern habe ich die Fahrerinnen und Fahrer angefeuert. Die Stimmung entlang der Strecke war etwas ganz Besonderes.
Die Steile Wand ist dabei weit mehr als eine sportliche Herausforderung. Sie erinnert an die Geschichte der Internationalen Friedensfahrt, die seit den 1950er-Jahren auch in Meerane Station machte und den Radsport über Grenzen hinweg mit dem Gedanken der Völkerverständigung verband. Genau diese Verbindung von Radsport, Geschichte und europäischer Verständigung war auch an diesem Tag wieder spürbar.
Und an diesem geschichtsträchtigen Ort ging es zugleich um die Zukunft des Radsports in unserer Region: Gemeinsam wurde für den Grand Départ der Tour de France 2029 geworben. Deutschland bewirbt sich gemeinsam mit Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Berlin darum, den Auftakt der Tour de France 2029 nach Deutschland und Mitteldeutschland zu holen – im Jahr des 40. Jahrestages des Mauerfalls.
Dass gerade an der Steilen Wand für dieses Vorhaben geworben wurde, hat für mich eine besondere Symbolkraft. Hier treffen Radsportgeschichte und europäische Zukunftsperspektive unmittelbar aufeinander. Die Friedensfahrt hat gezeigt, wie der Radsport Menschen über Grenzen hinweg verbinden kann. Ein Grand Départ 2029 könnte diese Tradition aufgreifen und Sachsen und Mitteldeutschland erneut zu einer großen Bühne des internationalen Radsports machen.
Deshalb habe ich die Unterschriftenaktion an diesem Tag sehr gerne unterstützt. Die Steile Wand hat einmal mehr gezeigt, welche Begeisterung der Radsport in unserer Region entfalten kann.
Der European Peace Ride führt die Idee der Friedensfahrt auf moderne Weise fort. Es geht ausdrücklich nicht um ein Rennen, sondern um eine gemeinsame Fahrt für den Frieden. 2026 führte die Strecke über rund 500 Kilometer und knapp 6.000 Höhenmeter durch Deutschland, Polen und Tschechien – von Zittau über Liberec und Dresden bis nach Chemnitz. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer fahren als gemeinsames Peloton und erreichen auch gemeinsam das Ziel.
Gerade diese grenzüberschreitende Dimension macht den European Peace Ride für mich so wertvoll. Grenzen, die auf der Landkarte sichtbar sind, werden auf dem Fahrrad überwunden. Menschen aus unterschiedlichen Ländern kommen zusammen, treiben gemeinsam Sport, erleben Geschichte und Landschaft miteinander und setzen ein sichtbares Zeichen dafür, dass Europa vor allem eines sein sollte: ein Raum der Begegnung, der Freundschaft und des Friedens.
Nach den anspruchsvollen Etappen war es ein besonderer Moment, die Fahrerinnen und Fahrer schließlich bei ihrer Ankunft im Ziel in Chemnitz zu sehen. Drei Tage, viele Kilometer, zahlreiche Höhenmeter und die Herausforderungen der Strecke lagen hinter ihnen. Der Zieleinlauf war deshalb nicht nur der Abschluss einer sportlichen Herausforderung, sondern auch ein emotionaler Moment für alle, die diesen European Peace Ride möglich gemacht und begleitet haben.
Mein besonderer Dank gilt den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die mit ihrer Ausdauer und ihrem Engagement die Botschaft des EPR auf die Straße bringen. Ebenso danke ich dem gesamten Organisationsteam, den vielen Helferinnen und Helfern, den Kommunen, Partnern, Sponsoren und Unterstützern entlang der Strecke. Eine Veranstaltung dieser Größenordnung funktioniert nur, wenn viele Menschen Verantwortung übernehmen und gemeinsam an einem Ziel arbeiten.
Der European Peace Ride zeigt eindrucksvoll, was entstehen kann, wenn Sport und gesellschaftliches Engagement zusammenkommen. Er verbindet Vergangenheit und Gegenwart, Regionen und Länder, Menschen und Generationen.
Eine großartige sportliche Leistung – und zugleich ein starkes Zeichen für Frieden, Verständigung und ein Europa ohne Grenzen in den Köpfen. Ich bin dankbar, als Schirmherr ein Teil dieses besonderen Projekts sein zu dürfen.